Keyvisual Theaterstück

Annie Ocean

Mario Salazar

Beschreibung

EIN WESTERN

Die Glorreichen Sieben, Red River, Die Unsterblichen und Rio Bravo – »Peng! Peng! Peng!« Da liegt sie, Annie Ocean, auf dem Sofa in der Wohnung ihres verstorbenen Vaters, der wie John Wayne laufen konnte, und schaut seine alten Wildwestfilme auf einem kleinen Fernseher, den »Körper voll mit Einsamkeit«. Die Wohnung des Vaters ist ihre Zuflucht geworden, der Ort, wo sie sich seit vielen Jahren vor der Realität verstecken kann, wo sie »an die Welt denken kann, wie sie sein sollte, nicht, wie sie ist«. Annie Oceans Welt ist perfekt, wenn Jack bei ihr ist, und deswegen wartet sie auf ihn. Alle paar Jahre, für ein paar Monate, kehrt er aus einem Krieg heim, holt sie mit seinem Ford Mustang ab und sie lieben sich, die ganze Nacht. Annie Ocean vergisst dann, dass sie eigentlich mit Bill verheiratet ist, vergisst, dass sie zwei Kinder und ein echtes Leben hat, mit Haus, Auto und Familienurlauben. Bill weiß, dass seine Frau erst nach Hause kommt, wenn der nächste Krieg beginnt und Jack wieder verschwindet, und so wartet auch er; auf Annie, darauf, dass sein Leben zurückkehrt. Und darauf, dass Annie endlich versteht, dass Jack den Krieg mehr liebt als sie, dass sie sich endlich wieder für die Kinder zu interessieren beginnt und dass Jack von einer Kugel getroffen wird. Und immer wenn Annie Ocean vor dem Fernseher sitzt und die alten Western schaut, vermischen sich die Welten und 100 Männer reiten auf ihren 100 Pferden in das Dorf der Apachen, denn die haben Jack in ihre Gewalt gebracht und sind im Begriff, die Stadt ohne Namen niederzubrennen.

Mario Salazars neuestes Stück ist ein reißender Western und eine tiefe Liebesgeschichte, deren Ausgang der Krieg vorschreibt.


Tipp: Auf unserem Blog spricht Regisseur Tim Hebborn über seine Inszenierung.

Besetzung

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Pressestimmen

»Isabell Giebeler spielt die Sehnsüchtige, die keinen Antrieb hat, ihr Leben so groß wie ihre Liebe zu machen, mit müder, zorniger, zärtlicher Präzision. Lukas Graser als grüner Witwer, gehörnter Ehemann, verleiht der Figur des Bills jede Menge Anti-Helden-Charme. Und was für ein enormer Gewinn für das Theater Bielefeld Sebastian Graf ist, machte dessen Verkörperung des vulgär auf »Talibaninski«-Jagd gehenden, dabei sensibel liebenden Jacks deutlich. Diese drei Desperados sollte man sich anschauen. Das virtuos inszenierte Stück lohnt den Besuch unbedingt, auch wenn man kein Freund des Westerns ist. Es hat, anders als das Genre, das es vermeintlich bedient, auf die drängenden Fragen der Welt keine aus der Pistole geschossenen Antworten. Aber Liebe als Lösung scheint auf.«

Neue Westfälische, 23.11.15

»Die friedliche, das Leben achtende Zivilisation, die Bill repräsentiert, wirkt angesichts des von Jack ausgelebten Rausches der Stahlgewitter fast schon langweilig und banal. Und so steht Annie nicht nur zwischen zwei Männern. Sie schwankt zwischen den beiden Polen der menschlichen Existenz. Damit liegt eine enorme allegorische Last auf den Schultern von Isabell Giebeler, Sebastian Graf und Lukas Graser. Aber sie bewältigen sie mit wunderbarer Leichtigkeit.«

www.nachtkritik.de, 22.11.15

»Wieder mal ein großer kleiner Abend auf der klitzekleinen Bühne unterm Dach der Bielefelder Schauspielbühne.«

www.die-deutsche-buehne.de, 23.11.15
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Bilder zur Produktion